Gute Gründe

Rechnet sich das für mich?

Junge zählt Bohnen

"Was habe ich davon?" Diese Frage stellen sich viele angesichts der Kirchensteuer. Antwort: "Eine Menge!"

Bild: istockphoto/Fertnig

In der Kirche muss man Kirchensteuer zahlen. Eine Geldausgabe mehr im Alltag - doch Kirchenmitglieder bekommen viel zurück für ihr Geld.

Michael, Anfang 20, hat gerade erfolgreich seine Ausbildung beendet und nimmt einen Job in einer großen Stadt an. Bei seinen ersten Gehaltsabrechnungen fällt ihm die Kirchensteuer ins Auge – und Michael beginnt erstmals ganz bewusst nachzudenken: "Wenn ich Kirchensteuer zahle – was habe ich davon? Rechnet sich das eigentlich für mich? Wenn ich ehrlich bin, besuche ich diese evangelische Kirche gar nicht regelmäßig, geschweige denn weiß ich, welche Angebote sie für mich bereithält. Eigentlich weiß ich so gar nichts über 'die evangelische Kirche' in meiner Stadt, ich weiß nicht, welche anderen jungen Leute ich dort treffen könnte, und was es da alles für mich zu entdecken gäbe."

Zu entdecken gäbe es eine ganze Menge für Michael. Das sind zum Beispiel die vielen verschiedenen Gottesdienste, mit denen die ELKB ihren Mitgliedern das Gefühl gibt, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein und somit ein Gefühl von Heimat – besonders, aber auch nicht nur an den hohen Feiertagen. Angebote zur christlich-besinnlichen Freizeitgestaltung wie Alltagsexerzitien oder „Kloster auf Zeit“ bilden Inseln der Ruhe in der Schnelllebigkeit des Alltags, auf denen Kirchenmitglieder Kraft und neue Inspiration schöpfen können. Ebenso wertvoll sind die vielen verschiedenen Beratungsangebote im seelsorgerischen Bereich, die sich den verschiedensten Themen widmen und Menschen jeden Alters mit den unterschiedlichsten Anliegen abholen.

Jugendliche und junge Erwachsene zum Beispiel finden Ansprechpartner in der Seelsorge für Schüler oder Studierende, erwachsene Frauen und Männer, ob Single, in einer Beziehung lebend, ob verheiratet oder ledig, finden Unterstützung bei Beratern, die sich auf Paare, Ehe und Familie spezialisiert haben. Ebenso genießen Senioren, Menschen mit Behinderung, Menschen aus besonderen Berufsgruppen wie Polizisten oder Soldaten, Menschen mit einer Suchterkrankung, Gehörlose, Blinde oder sexuell Missbrauchte das breit gefächerte Angebot der Kirche. So wie die Mitglieder die Kirche also mit ihrem Geld unterstützen, unterstützt sie die Kirche, wenn sie Hilfe benötigen.

Doch es ist nicht nur der Selbstzweck, der die Kirchensteuer heiligt. Es ist auch der diakonisch-inklusive Einsatz für die Menschen am Rand der Gesellschaft, der Einsatz für die Umwelt, in der alle Kirchenmitglieder leben, und nicht zuletzt der Einsatz für notleidende Menschen in armen Ländern, der diesen Abgaben einen großen Sinn gibt.

Denn das Geld ist wichtig für die Kirche, um ihr Engagement finanzieren und sich für Benachteiligte richtig einsetzen zu können. Ob für Projekte wie „Brot für die Welt“, „Mission EineWelt“ oder „Aktion Fastenopfer“, ob Partnerschaften mit Partnerkirchen in den armutsbeladenen Ländern Afrikas oder konfliktgebeutelten Staaten wie aktuell die Ukraine, ob Katastrophenhilfen für Katastrophengebiete, ob Hilfen für die Nachhaltigkeit, mehr Verantwortung fürs Klima – die ELKB ist auf allen Gebieten aktiv.

Kirchensteuerämter in Bayern

Evangelisch-Lutherisches Kirchensteueramt Nürnberg

Evangelisch-Lutherisches Kirchensteueramt Nürnberg
Färberstraße 2
90402 Nürnberg
Telefon: 0911-244320
Fax: 0911-2443280
E-Mail: Ev.KiStA.Nuernberg@elkb.de

Öffnungszeiten:
Mo-Fr.: 8 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung

Wer sich dies alles einmal ganz bewusst vor Augen führt, versteht, dass die ELKB entsprechende Ressourcen braucht, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen, damit sie ihre Arbeit machen können. Und man kann sicher sein, dass das Geld effektiv eingesetzt wird, unterstreicht Hans-Peter Hübner, Gemeinde- und Kirchensteuerreferent der ELKB: „Zirka 80 Prozent des verteilbaren Kirchensteueraufkommens fließen jährlich in die Gemeinden und Dekanatsbezirke.“ Und von dort möglicherweise weiter in die Welt – dorthin, wo das Geld dringend gebraucht wird.

Michael beschließt, sich die Menschen und die Angebote anzuschauen – bevor er über einen Austritt nachdenkt. Eine kluge Entscheidung, findet Professor Gerhard Wegner, Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche Deutschlands. Wegner ist Mitautor der „EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft“. Die Studie mit dem Titel „Engagement und Indifferenz – Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis“ untersucht die Haltungen und das Verhalten von Kirchenmitgliedern und die Frage, was Menschen mit der Institution Kirche verbindet. Den weit verbreiteten Glauben, dass die Kirchensteuer nahezu der alleinige Grund für Kirchenaustritte ist, kann Wegner nicht teilen. „Die These, dass es nur die Kirchensteuer ist, die 90 Prozent der Austritte bewirkt, halte ich für überzogen. In unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass Austritten ein längerer Entfremdungsprozess vorausgeht – viele Menschen verabschieden sich von der Kirche, weil sie überhaupt nicht mitbekommen, was Kirche ihnen bietet, wofür Kirche sich engagiert, was Kirche eigentlich alles macht.“

Wie berechnet sich eigentlich die Kirchensteuer?

Die Höhe der Kirchensteuer wird auf der Grundlage der Einkommen- beziehungsweise der Lohnsteuer der einzelnen Mitglieder berechnet. Wer keine Lohn- oder Einkommensteuer abführen muss - zum Beispiel Nichterwerbstätige, Rentner und Arbeitslose - zahlt in der Regel auch keine Kirchenlohn- respektive Kircheneinkommensteuer. Der Kirchensteuerhebesatz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern beträgt acht Prozent der Einkommen- beziehungsweise Lohnsteuer. Was viele nicht wissen: Der Staat erkennt die Kirchensteuer als Sonderausgabe bei der jährlichen Steuererklärung an, so dass ein Teil davon zurückerstattet wird.

Sind auch Rentner kirchensteuerpflichtig?

Wer als Rentnerin oder Rentner im Ruhestand ist, muss in der Regel keine Kirchensteuern entrichten. Ausgenommen sind diejenigen, die Einkommensteuer zahlen, weil sie über weitere Einkünfte verfügen. Die Einkünfte können beispielsweise aus Zinserträgen oder Vermietungen stammen. Dann fällt wie üblich Kirchensteuer, angelehnt an die Einkommensteuer, an.

Warum werden die sozialen Angebote der Kirche zusätzlich vom Staat unterstützt?

Der Staat hat ein Interesse daran, dass seine Bürgerinnen und Bürger unter verschiedenen Angeboten wählen können. Wie jedem anderen sozialen Träger werden deshalb auch der Kirche für pädagogische, kulturelle und soziale Aktivitäten Zuschüsse gezahlt. Außerdem ist die Unterstützung freier Träger für den Staat meist günstiger als Aufbau und Verwaltung eigener Einrichtungen.

Was hat denn mein Glaube mit der Kirchensteuer zu tun?

Als Christin und Christ ist man Teil einer Gemeinschaft, die einen von Gott gestifteten Auftrag erfüllt. Um diesem Auftrag nachzukommen, braucht es die Unterstützung der Mitglieder. Und dazu gehört neben dem ehrenamtlichen Engagement auch ein finanzieller Beitrag, mit dem wir die Gehälter der gut ausgebildeten und engagierten Seelsorgerinnen und Seelsorger bezahlen, die Gemeinden vor Ort unterstützen und wichtige diakonische Projekte finanzieren.